Biographie 

 Johann Beierl
 

Zur Erinnerung des verstorbenen Ehrenobmannes  von

 

Mühlviertler Gehörlosen Kultur- u. Sportverein in Pregarten  

   

Johann Beierl, geboren am 13. Juni 1918, lebte mit seiner allein erziehenden Mutter

unter ärmlichem Verhältnis in Windhaag bei Perg.

Im Alter von 1 Jahr fiel er unglücklicherweise aus dem Kinderwagen heraus und wurde 

dadurch auf einem Ohr taub, da es um zu dieser Zeit medizinisch unterversorgt war.

 

Im Kindesalter von 5 Jahren fand er beim Spielen eine Sprengkapsel und steckte diese Kapsel in den Ofen, als seine Mutter den Ofen anzündete, ging die Sprengkapsel hoch und verletzten die Zwei schwer, er verlor drei Finger der linken Hand, sein rechtes Auge und einige Zähne, seine Mutter verlor ihren Fingerkuppen. Johann Beierl wurde ins Kinderkrankenhaus in Linz eingeliefert, um seine schwere Verletzung zu behandeln, es schien, dass sein Pech ihn weiter

zu verfolgen ist, weil er während dem Spitalsaufenthalt als Zugabe noch die Masern abbekam, wodurch sein anderes, gesundes Ohr auch ertaubt wurde.

 

 

Im Jahre 1925 kam er in die Taubstummenanstalt in Linz, das Gemeindeamt hat ihm einen Schulplatz in dieser Schule besorgt. Seit seiner Verletzung bis zur 2. Klasse blieb sein rechtes Auge immer geschlossen. Aus Humanitätsgründen schenkte ihm der Direktor dieser Anstalt,

Hr. Mittermeier, ein künstliches Auge. Während dem Wachstumsprozess fiel dem Johann das Glasauge ein Paar Mal aus der Augenhöhle. Die Erzieherin der Anstalt, Schwester Romana, betreute Johann von 1. bis 6. Klasse, er hat  sie nicht gemocht.

Mit seinem Alter von 14 Jahren im Jahre 1932 wurde er aus der Schule entlassen,

seine Mutter hat danach geheiratet.

Infolge des überhitzten Kamins brannte das Haus und Strohdach ab,

deswegen arbeitete er 2 Jahre zu Hause beim Wiederaufbauen.   

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich bekam er endlich einen ordentlichen Arbeitsplatz und zwar bei einer Baufirma für Straßenbau, Bachregulierungen und Steinbruch

in Mauthausen neben dem ehemaligen KZ-Lager, da dort Hr. Beierl als freier Mitarbeiter

beim Steinbrucharbeiten mit den KZ-Häftlingen miterleben müsste und er über die Schicksäle der Häftlingen kaum Ahnungen hatte, er sah aber die Probleme mit den Gefangenen und

wusste sich nicht zu helfen, dadurch kam er der NS-Regime heil davon.

 

Wegen seiner „Taubstummheit“ wurde  ihm die Arbeit beim Steinbruch weggenommen und

er im Außendienst eingesetzt, arbeitete danach weiter bis zum Einmarsch der Russen,

von da an war er bis 1947 arbeitslos. Seitdem arbeitet er bis zu seiner Pension bei der Firma Habau in Perg, bei der er als langjähriger, treuer Mitarbeiter geehrt wurde und ihn mit Würde

in Pension schickte.

In der Zeit der Demarkationslinien (1945-1955) Linz-Urfahr fuhr er öfters mit dem Fahrrad

von Perg nach Linz, später mit Moped. Hr. Snajda vom Landesverband Oberösterreich

verhalf ihm später zu einem Moped-Zulassungsschein, mit dem er bis zu seinem hohen Alter (über 80 Jahre) fährt. Über 60 Jahre fuhr er unermüdlich mit seinem Fortbewegungsmittel

in ganz Oberösterreich herum, bis er einen Unfall erlitt und verletzt wurde, seither fuhr er

wegen dem hohen Alter nicht mehr. Ein besonderer Fall ereignete, als er vor langer Zeit

zuvor wegen dem Glatteis einen Kollisionsunfall mit dem PKW baute – da kam die ortsansässige Gemeinde darauf, dass er nicht Bayerl, sondern Beierl heißt. Das wurde

dann auf dem Amtsweg korrigiert.

Zu großem Erstaunen und die gehörlosen Bekannten trauten sich nicht aus den Augen,

da an einem Tag während den Tagungen im Erholungsheim in Kirchschlag die versammelten gehörlosen am Kirchenplatz auf den Postbus für die Rückfahrt nach Linz warteten und beratschlagten, wie sie die Anderen verständigen können, dass der Postbus-Verkehr durch

den Haselgraben wegen dem extremen Wetterverhältnis (starker, dichter Schneetreiben) eingestellt ist, als im dichten Schneetreiben ein Scheinwerfer auftauchte. Es war der „Baxerl“ auf seinem Moped, unglaublich, dass er es schaffte, nach Kirchschlag wohlerhalten kommen zu können, es war eine Meisterleistung von ihm.

Im Jahre 1946 gründete er zusammen mit Karl Böhm den Mühlviertler Gehörlosenverein - Sitz Perg, ohne etwas von den nötigen Statuten zu wissen. Erst 1959 bekam dieser Verein ordnungsgemäße Statuten.

Bevor er diesen Verein gegründet hat, war er sehr fleißig mit Zweirad bei jedem Wetter (Regen,  Schnee, Eis, Sturm, Hitze usw.) unterwegs, um die einsamen, ahnungslosen Gehörlosen von abgelegenen Orten in Mühlviertel zu einer Gemeinsamkeit zu führen,

aus dieser wurde der Verein gegründet und existiert seither bis jetzt.

Obwohl er immer ein Junggeselle geblieben ist und das schwache Geschlecht ihn nicht angezogen hat, führte er auch eine gute Seite an, weil er als „ Ehevermittler“ viele Gehörlosen aus schwierigen Lagen zu Ehen gemacht hat.

Er besuchte fast immer überall die Gehörlosen-Veranstaltungen, Gottesdienste und 

Wallfahrten, meistens in stockfinsterer Nacht die Heimfahrt mit Moped unternommen,

im Pensionsalter jeden Mittwoch den Pensionistenclub in Linz besucht.

Er war auch unterstützender Mitglied des „Gehörlosenvereines Steyr und Kirchdorf“ und

„Linzer Gehörlosen Kultur- u. Sportvereines“

 

 

Funktionärslaufbahn d. MGKSV-Pregarten

 

27.10.1946 – 03.05.1968          Obmann

07.12.1969 – 06.12.1970          Kassier

03.12.1972 – 02.12.1973          Obmann

29.06.1975 – 03.07.1977          Kassier

03.07.1977 – 24.06.1979          Kassier-Stv.

1984  bis       05.11.1999         Ehrenmitglied

Seit 06.11.1999                       Ehrenobmann

 

Zuletzt lebte er zufrieden und bescheiden bei seiner Familie im Haus, bis zu seiner schweren Krankheit, deswegen er nach langem Leidensweg am 28. Oktober 2005 in der Pflegestation

in Enns für ewig eingeschlafen ist und sein starkes Herz zum Schlagen aufgehört hat.

Am 31. Oktober fand das schöne, würdige Begräbnis im Wohnort Windhaag bei Perg statt und viele Gehörlosen nahmen den letzten Weg zum Grab teil.

Zum Schluss möchten wir, im Namen der MGKSV-Mitglieder,

das Wort noch  erwähnen  und zwar dem lieben Verstorbenen

einen großen „Dank“ sagen, ihn mit ewigen Erinnerungen beibehalten!

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